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Wie kannst du nachhaltig leben und konsumieren?

von Lea 6. Mai 2018
Wie kannst du nachhaltig leben und konsumieren?

Nachhaltig leben – tu ich das nicht schon längst!? Lange war ich fest davon überzeugt, nachhaltig und damit umweltbewusst unterwegs zu sein. Brav schalte ich das Wasser aus, wenn ich mich unter der Dusche einseife oder die Zähne putze. Natürlich verwende ich Recycling-Toilettenpapier und schalte die Geräte komplett aus, als sie auf Stand-by-Modus zu lassen. Wenn ich einen Raum verlasse, schalte ich das Licht aus. Die Klassiker, die auch du sicherlich kennst und beherzigst. Doch irgendwann wurde mir klar, dass ich noch viel mehr für den Umweltschutz tun kann.

 

Zu gut für die Tonne!

 

Auslöser für mich war zum einen ein Projekt der Bundeszentrale für politische Bildung in Kooperation mit der Initiative „Zu gut für die Tonne“ gegen Lebensmittelverschwendung. Mit meiner Deutschklasse meldete ich mich für dieses Projekt an. Wir machten zum Beispiel im Rahmen des Projekts Fotos von Schulbroten und Lebensmitteln, die in der Mülltonne des Pausenraums landeten.

Denn laut dem Bundesministerium für Ernährung werden in Deutschland jährlich elf Millionen Tonnen Lebensmittel weggeworfen. Pro Person sind das ganze 82 kg! Mithilfe einer Befragung von Eltern, Lehrenden und Lernenden versuchten wir herauszufinden, weshalb so viele Lebensmittel in der Tonne landen. Ein Grund ist dabei mit Sicherheit, dass Lebensmittel für uns immer und überall verfügbar sind. Aus der Befragung wurde aber auch deutlich, dass viele Personen Lebensmittel wegwerfen, sobald das Mindesthaltbarkeitsdatum abgelaufen ist. Ehrlich gesagt konnte ich das nicht nachvollziehen. Meine Mutter hatte mir schon früh beigebracht, mithilfe der eigenen Sinne (z.B. durch eine Geruchs- und Geschmacksprobe) die Verderblichkeit von Nahrungsmitteln zu überprüfen.

 

Nachhaltiger leben durch bewussteres Einkaufen

 

Weitere Gründe für die hohe Lebensmittelverschwendung scheinen der Umfrage zufolge aber auch eine falsche Lagerung sowie ein „unbedachter“ Einkauf von Lebensnmitteln zu sein. Da hilft nur Aufklärung! Auch ich musste mir da an die eigene Nase packen und noch einiges dazulernen. Dass man etwa Gurken und Tomaten nicht im Kühlschrank lagern soll.

Mein Tipp: Klickt doch mal hier: Zu gut für die Tonne. Du findest nicht nur Tipps für einen nachhaltigen Einkauf, sondern auch für die richtige Lagerung von Lebensmitteln. Eine Vielzahl an Rezepten zeigt dir, wie du Reste verwerten kannst. Die App zum Lebensmittelretten bietet dir sogar mittlerweile 450 Rezepte von Sterneköchen und Kochpaten wie Johann Lafer oder Daniel Brühl. Eine weitere App vernetzt Kunden und Restaurants, um die Lebensmittelverschwendung zu reduzieren: too good to go.
Wie du reife Bananen für ein leckeres Bananenbrot verwerten kannst, findest du hier!

 

Bananenbrot Rezept für weniger Verschwendung

 

In einer Zeitschrift habe ich vor kurzem von einem tollen Event namens „Schnippeldisko“ erfahren. 2015 wurde sie durch die Slow Food Youth ins Leben gerufen. Aus einer Tonne nicht mehr marktfähigen Gemüse wurden damals 9000 Portionen Suppe gekocht, die auf der Wir-haben-es-satt-Demo an die Demonstranten verteilt wurden.

Was du beim Einkaufen beachten kannst

Auch du kannst – Schritt für Schritt – Zeichen gegen die herrschende Lebensmittelverschwendung setzen! Kaufe zum Beispiel das nächste Mal im Supermarkt bewusst loses Gemüse oder Obst, anstatt zum Dreierpack Zucchini oder zum abgepackten Bündel Bananen zu greifen. Noch einen Schritt nachhaltiger wird es, wenn du regional auf einem Wochenmarkt oder einem Bauernhof in deiner Nähe einkaufst! Die Zeitschrift „Schrot und Korn“ weist im Bericht „Regional reicht nicht“ (3/2018) darauf hin, dass die Eier aus deiner Region nämlich auch aus Massentierhaltung stammen könnten. Das Obst und Gemüse von deinem Wochenmarkt könnte eventuell konventionell angebaut sein. Die Bezeichnungen „Regional“ oder „Aus deiner Region“ ist auf Produkten in Supermärkten immer häufiger zu finden, aber irreführend. Wir geben dir den Tipp, die Herkunft deines Produktes laut Auszeichnung zu beachten.
Als Einkaufsführer für NRW wird folgender Link empfohlen: Einkaufsführer NRW online

 

Folgendes Siegel unterstützt dich beim Einkauf, wenn du aus der Region des Niederrheins kommst.

 

Meistens hat der regionale Einkauf den (zusätzlichen) Vorteil, dass du dabei oft leichter Verpackung einsparen kannst. Womit wir bei einem weiteren wichtigen Punkt wären.

 

Das ist doch der reinste (Verpackungs-) Wahnsinn!

 

Im letzten Jahr geriet ich in ein moralisches Dilemma: Die in Plastik eingeschweißte Bio-Gurke verfolgte mich! Beinahe verzweifelt suchte ich nach einer Alternative zu den vielfach in Plastik eingepackten (Bio-) Lebensmitteln. Tatsächlich entschloss ich mich im letzten Jahr dazu, während der Fastenzeit möglichst auf Plastik zu verzichten. Durch nette Gespräche, u.a. mit Freunden, bekam ich hilfreiche Tipps. So gewöhnte ich mir zum Beispiel an, Gemüse und Obst im Supermarkt lose abzuwiegen und unverpackt auf das Einkaufsband zu legen. Ich fand den Weg in verschiedene Biomärkte. In Biomärkten ist besonders toll, dass du hier mit deiner (wiederverwertbaren) Papiertüre etwa losen Salat abpacken kannst. Ich kann dich nur dazu motivieren, noch mutiger zu werden und zum Beispiel an der Frischetheke den Käse, das Fleisch oder die Wurst in deiner mitgebrachten Dose abpacken zu lassen.

 

Nachhaltig unterwegs mit eignen Dosen
Ich erinnere mich noch zu gut an den Moment, als ich das erste Mal mit Herzklopfen bei meinem Bäcker danach fragte, ob die Verkäuferin so lieb sei und mir das Brötchen bitte in meine mitgebrachte Dose legen könne. Mittlerweile ist es für mich zur Routine geworden, beim Gang zum Bäcker meine Brotdose einzupacken.

 

Nachhaltiger leben: Weniger Müll im Badezimmer

Aber nicht nur beim Einkauf von Lebensmitteln kannst du Verpackung einsparen. Auch im Bereich der Hygiene lässt sich einiges an Plastik und Verpackung einsparen. Im Bericht zur Naturkosmetik habe ich schon darauf verwiesen, dass Naturkosmetik auf Plastik als Inhaltsstoff verzichtet. Verwendest du dann dazu noch für deine Körperhygiene (feste) Seife, kannst du weitere Verpackung einsparen und somit die Umwelt schützen. Im Bereich der Hygiene gibt es zum Beispiel auch umweltfreundliche Zahnbürsten ohne Plastik. Bei mir steht in nächster Zeit ein Wechsel zu einem plastikfreien Rasierer an. Toilettenpapier und Taschentücher kaufe ich generell aus Recycling-Papier. Mir ist während des Plastikfastens aber aufgefallen, dass ich auch hier nochmals nachhaltiger leben und Verpackung einsparen kann. Denn die Taschentücher-Boxen kommen mittlerweile vollständig ohne Plastikverpackung aus.
In meinem letzten Urlaub habe ich übrigens einen Zettel für die Reinigungskraft mit der Bitte hinterlassen, den Mülleimer im Badezimmer erst bei meiner Abreise und nicht – wie üblich- täglich zu leeren. Fazit: 7 eingesparte Plastikbeutel, ganz im Sinne „Kleinvieh macht auch Mist 😉

 

Nachhaltiger - weniger Verpackungsmüll

SOS – Wie bekomme ich einen Überblick im „Dschungel der Nachhaltigkeit“?

Auf  Siegelklarheit.de erhältst du eine gute Übersicht über verschiedene Umwelt- und Sozialsiegel, die dir eine Hilfe zu einer nachhaltigeren Lebensweise verhelfen können. Siegelklarheit. de ist eine Initiative der Bundesregierung. Die App dieser Seite gibt dir direkt beim Einkauf eine erste Orientierung.
Kaufst du Fisch mit dem blauen MSC-Siegel, hilfst du dabei, eine Überfischung in europäischen Meeren einzudämmen. Denn Fakt ist leider, dass 87 Prozent unseres Fisches mittlerweile importiert ist. Das MSC-Siegel kennzeichnet Wildfisch aus nachhaltiger Fischerei. Bei Zuchtfisch helfen die Siegel „Naturland“, „Bioland“ und das „ASC“-Logo für Fisch aus verantwortungsvoller Aquakultur. Auch für deinen Fischkauf kannst du dir eine App zur Orientierung downloaden: Fischratgeber-App.

 

Schritt für Schritt in ein nachhaltiges Leben

 

Zu Beginn ein kleiner Trost: Damit du nachhaltiger lebst, musst du mit Sicherheit schon einige deiner Gewohnheiten ändern. Das geht nicht von Jetzt auf Gleich. Generell wird gesagt, dass man 30 Tage benötigt, damit neue Verhaltensweisen zur Routine werden. Ab und zu musst du dann deinen inneren Schweinehund besiegen. Mir persönlich hilft zum Beispiel, dass ich mir in Abständen eine neue Aufgabe stelle. Für die nächsten Wochen bis zu den Sommerferien habe ich mir beispielsweise vorgenommen, donnerstags mit dem Rad die 13 km zur Arbeit zu fahren. Manche sagen jetzt vielleicht: „Wow, das ist ein Tag! Sie könnte doch 5 Tage in der Woche mit dem Rad zur Arbeit fahren!“ Genau an diesem Beispiel möchte ich dir aufzeigen, dass du nicht direkt radikal dein ganzes Leben ändern musst. Auch kleine Dinge führen zu mehr Nachhaltigkeit.

 

Werde zum Vorbild durch dein eigenes nachhaltiges Leben

 

Vielleicht werde ich im Laufe dieser Zeit feststellen, dass das Radfahren zur Arbeit leichter als gedacht umzusetzen ist. Vielleicht werde ich mir aber auch eingestehen müssen, dass diese Umstellung für mich persönlich nur schwer zu handhaben ist. Deshalb: Hör auf dein Bauchgefühl und finde einen Weg, mit dem du zu mehr Nachhaltigkeit gelangst und dich wohlfühlen kannst. Sei auch immer wieder mit kleinen Dingen Vorbild, indem du zum Beispiel auf der Arbeit das Licht ausschaltest, wenn sich für längere Zeit keine Person im Raum befindet. Du wirst merken, dass andere Personen durch deine Achtsamkeit auch bewusster mit der Thematik der Nachhaltigkeit umgehen werden. Bei Einkäufen gehe ich manchmal auch insofern Kompromisse ein, als dass ich einfach nach Alternativen suche. Gibt es die Zucchini nur in der Plastikverpackung und die Zeit reicht nicht, um den Umweg zum Biomarkt in Kauf zu nehmen? Dann gibt es anstelle der Zucchini einfach ein anderes Gemüse.

Generell lebst du nachhaltiger, indem du bewusster konsumierst. Frag dich also ab und zu: „Brauche ich das wirklich (neu)?“ Gerade im Bereich „Kleidung“ bist du sogar richtig „hip“, wenn du deine Kleidung tauschst oder im Secondhand erwirbst 😉 🙂

 

Kerzenreste verschenken

 

Nur noch eine kleine Anekdote zum Schluss, weil ich dieses persönliche Erlebnis als so nette und schöne Geste empfunden habe:
Vor einiger Zeit hatte ich entdeckt, dass eine Verkäuferin des Bio-Bauernhofes in meinem Ort Kerzenreste sammelt und daraus neue Kerzen herstellt. Deshalb habe ich meine Kerzenreste zusammengesucht und sie dort abgegeben.

Nachhaltiger leben - Kerzenreste verwerten
Als Dankeschön für meine erste „Kerzenreste-Spende“ durfte ich mir eine „recycelte“ Kerze aussuchen, an der ich mich nun erfreue. Nachhaltiges Leben ist nicht nur ein Geschenk für die Umwelt und unsere zukünftige Generation, sondern auch für uns!

Nachhaltiger Leben neue Kerze aus Kerzenresten

 

Hier noch als Ergänzung etwas für deine visuellen und auditiven Sinne:
Zunächst etwas für die Augen: Louisa Dellert „Mein Herz schlägt grün“ Mein Herz schlägt grün
Und dann noch etwas für deine Ohren: Falls du überlegst, mit deinen Fingern biologisches Obst und Gemüse anzubauen: Ackerhelden

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